Ich trink Ouzo – was machst du so?

Lächeln und winken – oh ja, das kann ich auch gut! Ganz ehrlich, das einzig sinnvolle Motto in so manchen Situationen!

Folgende Situation: Eltern und Kind sitzen in der Bahn. Dem Kind passt was nicht und es fängt tierisch an zu schreien. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Baby handelt  oder um ein Kleinkind. Irgendwas stinkt-das Kind schreit und schreit. Kreischt am besten noch ganz laut oder als Kleinkind wirft es sich dann auch ganz gerne mal theatralisch mit den Fäusten um sich schlagend auf den Boden. Bekannte Situation?

Yes- kennt glaube ich jeder, jede Mutter und jeder Vater.

Was passiert? Ganz großes Kino kann ich dir sagen! Die Dame gegenüber von dem schreienden Kind glotzt die ganze Zeit dumm und denkt sich wohl, dadurch hört das Kind auf zu schreien.Sie glotzt so unglaublich penetrant dass mir fast die Sicherung durchknallt. Ist es den Leuten nicht unangenehm immer so demonstrativ zu glotzen? Ich guck dann gerne total angepisst zurück, bis der Blick des jeweiligen Gegenübers beschämt zur Seite oder nach unten geht. Siehst du- Glotzen kann ich auch. Kann ich überhaupt nicht haben, nervt mich!

Die Dame seitlich von dem schreienden Kind seufzt…und seufzt…seufzt noch einmal richtig laut, stöhnt am besten auch nochmal. Bitte auch noch dazu den Kopf schütteln, damit es richtig gut ins Bild passt. Glaubst du davon wird es besser, von deinem nervigen Geseufze? Wieder seufzen und diesmal richtig laut, gepaart mit dem Ausruf „ *seufz* unmöglich“.

Was ist denn unmöglich?

Das ein Kind oder ein Baby in der Bahn schreit? Klar ist das nervig, für die Eltern mindestens genauso nervig wie für dich. Aber musst du deshalb so ein Theater veranstalten? Das hilft in dieser Situation auch nicht! Und du bist damit mindestens fast genauso nervig wie das schreiende Kind.

Die Frau, die hinter dem schreienden Kind sitzt, dreht sich ständig um und verdreht die Augen. Und dann kommt es, sie dreht sich um und sagt Folgendes:  „ Entschuldigung, können Sie mal dafür sorgen, dass ihr Kind aufhört zu schreien?“.

„Entschuldigung, können SIE mal aufhören mich so dumm von hinten anzublubbern?“.

Wenn ich was gegen mein schreiendes Kind tun könnte, dann hätte ich das sicherlich schon gemacht. Finde es auch nicht geil, in einer vollen Bahn im Feierabendbetrieb zu sitzen, während mein Kind die ganze Bahn zusammen schreit.

Die Frau guckt, als wenn sie hofft, dass es einen Knopf am Kind gibt, den man drücken kann. „On und Off“, drück doch endlich mal den Off-Knopf Mädchen. Ja witzig, als ob ein Kind ein Spielzeug ist, das man an und ausmachen kann.

Bester Kommentar aus den hinteren Reihen: „Mein Gott, immer diese jungen überforderten Eltern, die ihr Kind nicht im Griff haben. Das war früher anders.“

Kurz mal innehalten und Atmen!  Da lobe ich mir die Atemübungen, die ich manchmal mit meinen Patienten mache, wenn sie starke Schmerzen haben. Schön bewusst tief durch die Nase einatmen und langsam durch den Mund ausatmen. Und nochmal das Ganze. Puls sinkt von 120 wieder in den Normbereich von 80 – im besten Fall.

So und jetzt mal Klartext:

Also Babies schreien nun mal ab und zu. Dabei interessiert es sie nicht, wo du dich gerade befindest. Das kann in der Bahn passieren, im Supermarkt, auf der Straße oder Zuhause. Dem Baby passt was nicht, also schreit es. Da wird schon mal das Organ bis zum äußersten ausgetestet.  Sorry-ein Baby kann nun mal noch nicht sprechen und sagen wo der Schuh drück.

Und selbst wenn ein Kind soweit ist und sprechen kann –  kann es auch nicht immer benennen, wieso es gerade weint oder den totalen Ausraster hat.

Kleine Anmerkung am Rande- das ist normale Kindesentwicklung. Bestimmt gibt es auch unter den Kindern gewisse Choleriker, aber an sich ist das nun mal bei Babies und Kleinkindern so. Gefühle kommen da einfach ganz plötzlich aus dem Nichts und nicht immer können diese dann verarbeitet werden und schon gar nicht können diese unterdrückt werden. Egal ob es um Freude, Wut, Trauer oder Glücklichsein geht, das Kind zeigt es ganz offen und manchmal halt auch laut stark.

Wieso denken die Leute dann immer gleich, dass die Eltern überfordert sind?

Ich bin nicht überfordert, nur weil mein Kind gerade mal die Bahn zusammen schreit. Genervt bin ich dann ja, oder es ist mir dezent unangenehm, weil noch andere Leute mit in der Bahn sitzen und alle so doof zu uns glotzen. Aber ich fühle mich nicht so, als wäre ich nicht Herrin der Lage.

Ich weiß ja, dass das gleich wieder aufhört und die Katastrophe abgewendet ist. Weder sitze ich hysterisch neben meinem Kind und versuche permanent ihr zu sagen, dass sie doch bitte bitte leise sein soll, noch verfalle ich in einen verzweifelten Heulkrampf weil alles so schrecklich ist.

Meine Güte, was soll denn sowas? Würde es nach solchen Maßstäben gehen wäre ja jede Mutter und jeder Vater permanent dauer-überfordert.

Was sind das für Menschen, die uns jungen Eltern gleich als überfordert abstempeln?

Was mir aufgefallen ist, es sind immer mittel alte und ältere Frauen, die sich dann äußerst zufrieden mit sich selbst lautstark dazu äußern müssen oder auf so eine Situation reagieren. Ah ja alles klar, ihr habt es wohl besser gemacht, verstehe.

Männer sind da entspannter. Habe noch keinen Mann, egal welcher Altersklasse, erlebt, der in so einer Situation einen Spruch gebracht hat oder sich unpassend geäußert hat. Gibt es bestimmt auch aber scheint eher selten.

Für mich kristallisiert sich da wieder ein gewisses Vorurteil raus, was bei älteren Generationen anscheinend vorherrscht:

Junge Eltern= sind alle heillos überfordert

Da stellt sich mir die Frage: Ab wann bin ich als Mutter oder Vater denn überfordert?

Wenn mein Kind einen Trotzanfall hat und sich auf den Boden schmeißt? Wenn mein Kind in der Öffentlichkeit lautstark sein Sprachorgan testet? Zuhause, wenn alles drunter und drüber geht und es aussieht wie ein Saustall? Beim Fertigmachen, wenn ich einen Termin habe und mein Kind sich anstatt sich anzuziehen sich auszieht und nackig durch die Wohnung läuft und singt „ ich bin ein nackt Frosch, ich bin ein kleiner nackt Frosch“?

Ich habe mich mit anderen Eltern und meinen Freunden, die Eltern sind,  über dieses Thema unterhalten. Auch habe ich einige gefragt, wann sie sich denn überfordert fühlen. Und weißt du ,was die Antwort war?

„ Also gestresst und genervt bin ich öfters mal. Aber richtig überfordert war ich eigentlich noch nie!“. Nur bei Eltern die mehrere Kinder haben, habe ich mal die Antwort bekommen, dass es leicht an Überforderung grenzt, wenn zwei oder mehr Kinder einfach mal total abdrehen und überhaupt nicht hören. Und das über einen längeren Zeitraum.

Hm, passt also nicht ganz zu der offensichtlichen Meinung der älteren Damen über uns junge Eltern.

Und was ich mal dazu sagen möchte, ich habe eher das Gefühl, dass gerade junge Eltern viel entspannter in gewissen Situationen reagieren. Ich hab öfters mitbekommen, dass ältere Elternpaare schneller überfordert wirken bzw oft schneller aus der Haut fahren. Wobei man da auch nicht alle über einen Kamm scheren kann. Es gibt immer solche und solche und ich möchte das hier nicht pauschalisieren.

Betrachte ich mich selber und meine Mutterrolle, habe ich auch keine Situation an die ich mich bewusst erinnere, in der ich mich überfordert gefühlt habe. Ja ich war schon öfters mega genervt und auch mal im Stress, meine Nerven wurden auch schon ziemlich überstrapaziert. Aber überfordert war ich in Bezug auf das Muttersein bis jetzt noch nicht.

Das Leben mit Kindern ist halt nicht immer ein Zuckerschlecken. Wäre auch komisch oder? Also ich erinnere mich auch daran wie ich als Kind war und wie meine Geschwister waren oder  wir zusammen. Glaube auch, dass wir unseren Eltern manchmal so den einen oder anderen Nerv geraubt haben. Aber Nerven rauben und jemanden überfordern ist was vollkommen Unterschiedliches. Finde ich.

Lieg es am Erziehungsstil?

Was glaube ich eine große Rolle spielt ist, dass sich der Erziehungsstil der Eltern einfach über die Jahre hinweg ziemlich geändert hat. Natürlich wurden Kinder in der Nachkriegszeit anders erzogen als jetzt. Da ist es auch kein Wunder, dass diese Kinder, die jetzt die ältere Generation sind, sich über unsere Erziehung aufregen, weil sie es einfach anders kennen. Das heißt aber nicht, dass unsere Erziehung heutzutage schlecht ist.

Eine Freundin von mir hat mir neulich eine Situation geschildert, die ihr passiert ist. Ihre Tochter hatte einen kleinen Trotzanfall in einem Laden und hat sich da einfach mal, weils so bequem ist, mitten auf den Boden gelegt. Diese Situation sah jemand und regte sich darüber tierisch auf und machte meine Freundin dann auf einmal richtig an und beleidigte sie sogar ziemlich übel. Das an sich ist schon unmöglich, aber was dann kam, ohne Worte. Durch die Blume gab dieser Jemand ihr zu verstehen, dass bei trotzenden Kindern doch mal härter durchgegriffen werden muss und man dem Kind doch lieber mal eine Klatschen sollte.

WOW.

Sprachlos, echt. Gewalt gegenüber Kindern ist eins der Dinge, die in meiner Welt einfach null toleriert werden können. Kinder können sich nicht wehren und sind halt einfach noch in der Entwicklung und testen Grenzen. Was geben wir ihnen für einen Weg vor und was bringen wir ihnen bei, wenn wir auf eine normale Kindesentwicklung mit Gewalt reagieren?

Seit ich Mutter bin, bin ich ziemlich sensibel geworden, was den Umgang mit Kindern angeht. Jeder der mich kennt weiß, dass ich keine Heulsuse bin. Seit ich meine Tochter habe, macht mich alles ziemlich emotional, was mit Schicksalsschlägen und Gewalt gegenüber  Kindern zutun hat. Wenn ich einen Film gucke oder ein Buch lese, in dem ein Kind misshandelt wird, wird mir schlecht und ich könnte gleich anfangen zu heulen. Das ist für mich einfach etwas, was ich nicht begreife. Wie können manche Menschen so grausam sein?

Werde ich nie verstehen. Aber was ich weiß ist, dass ich meinem Kind so etwas nie antun würde. Egal wie gestresst oder genervt ich bin.

Jedenfalls zeigt dieses Beispiel, dass es oft eine sehr unterschiedliche Meinung darüber gibt, wie man mit einem Kind umgehen muss. Dieser Jemand, der da meine Freundin so blöd von der Seite angepöbelt hat, war auch der Meinung, dass sie in der Situation überfordert war. War sie aber gar nicht. Sie wollte halt erstmal bezahlen und dann das Kind aufsammeln. Würde ich auch so machen. Solange die anderen Leute noch an ihr vorbei kommen- no problem.

Warum muss man es den Eltern heutzutage immer so schwer machen?

Glaube viele wären viel entspannter, wenn die Gesellschaft auch mal entspannter wäre. Wie oft sehe ich es draußen, dass sich Leute darüber aufregen, wie Eltern in gewissen Situationen reagieren.

Ein Kind will nicht weiter gehen, die Eltern haben einen Termin, der Vater schmeißt sich das Kind halt mal über die Schulter und trägt es, während es schreit „ Lass mich runter ich will selber laufen“, was es vorher aber nicht gemacht hat. Zwei Damen starren auf diese Eltern und das Kind und unterhalten sich lautstark darüber wie unmöglich das Verhalten ist.  Das arme Kind darf nicht selber laufen. Die Eltern haben ihr Kind nicht im Griff. Also wirklich, unmöglich, da muss Frau einfach den Kopf schütteln.

Ganz ehrlich – Ladies entspannt euch mal.

Das ist nicht euer Problem und durch euer Gestarre und Kopfgeschüttel tragt ihr auch nichts Sinnvolles zur Situation bei. Außer, dass die Eltern noch genervter sind. Finds ja eh immer nervig, wenn die Leute stehen bleiben und glotzen. Am besten noch schnell Fotos machen oder was?

Mich interessiert deine Meinung zu dem Thema. Also wenn du den Beitrag bis jetzt gelesen hast, dann schreib mir doch gerne mal, was du über das Ganze denkst!

Und an die Mamamafia: Nein, ich trinke nicht den ganzen Tag Ouzo.

Follow and like us:
fb-share-icon

2 thoughts on “Ich trink Ouzo – was machst du so?

  1. Hey, die überforderte- Sie sollten Ihrem Kind mal eine Klatschen-Freundin bin ja ich😂😂😂
    Ich hab’s jetzt erst gelesen. Ich werd noch berühmt haha.
    Aber der Artikel bringt’s auf den Punkt. Super geschrieben.👍
    😘😘😘

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.