„Manche Leute sollten einfach mal die Fresse halten!“- Was ich mir als Alleinerziehende anhören muss.

Ja, klingt hart. Aber Leute wirklich, Hand aufs Herz. Was ich mir als Alleinerziehende manchmal anhören muss, ist ohne Worte. Das nervt und ich frag mich auch des Öfteren, was sich fremde Menschen raus nehmen, sich in mein Leben einzumischen. Deshalb habe ich beschlossen hier mal ein wenig aufzuräumen:

Vorurteil Nr.1

Alleinerziehende sind chronisch überfordert – die brauchen unser Mitleid!

Fakt Nr.1

Ganz ehrlich, was ist nur mit den Leuten los? Wieso tut dir leid, dass ich alleinerziehend bin? Wenn es jemandem Leid tun müsste, dann wohl mir oder dem Vater meiner Tochter, aber sicher nicht dir! Ich habe es schon so oft erlebt, dass, sobald ich sage, dass ich alleinerziehend bin, die Leute betroffen reagieren und ihnen das Thema unangenehm ist. Das passt in die Kategorie, wenn jemand homosexuell ist, da fangen auch viele Leute gleich an beschämt auf den Boden zu gucken oder schnell das Thema zu wechseln.

WARUM? Nur weil ich alleinerziehend bin heißt es nicht, dass mein Leben scheiße ist. Das ist genau einer der Gründe, wieso ich mich am Anfang der Schwangerschaft in manchen Situationen so unwohl gefühlt habe. Immer wenn du gesagt hast, dass du alleine bist, haben die Leute komisch reagiert. Ich hab mir selber öfters gedacht, wieso bin ich jetzt die einzige hier, die alleine ist. Sei es beim Frauenarzt, in Läden mit Babysachen, oder im Kreisssaal. Aber am Ende war es mir egal, dass ich die war, die „alleine“ ist. Irgendwann hat es bei mir klick gemacht und ich hatte kein Problem mehr damit zu sagen, dass ich alleinerziehend bin.

Wieso musst du mich bemitleiden, ich will dein Mitleid nicht.

no reason to cry!

Ich glaube, die überwiegende Meinung über alleinerziehende Mütter/Väter ist, dass eben diese vollkommen überfordert, gestresst, unglücklich und am Rande der Verzweiflung sind.

Im sorry-ich gehöre nicht dazu. Ja, ich bin alleinerziehend, so what? Mein Leben ist, wenn ich das mal so sagen darf, Highlife in Tüten, und das jeden Tag. Ich bin glücklich, mein Leben ist toll. Vielleicht nicht immer einfach und oft ist auch ein organisatorisches Talent gefragt, was jedoch nicht dazu beiträgt dass ich unglücklich bin.

Ich glaube schon, dass es einen Unterschied gibt, wenn du von vorne herein alleinerziehend bist oder aus einer Partnerschaft heraus alleinerziehend wirst. Persönlich kannte ich es nicht anders und habe mich von Anfang an mit dieser Situation vertraut gemacht und bin an und mit ihr gewachsen. Der Anfang war natürlich nicht leicht, da mir einige Steine in den Weg gelegt wurden, allerdings hat auch das mich nur stärker gemacht und mir gezeigt, dass ich den richtigen Weg gehe.  

Vorurteil Nr. 2

„Du Arme, das ist bestimmt hart so ganz alleine alles zu managen.“ Das Leben als Alleinerziehende/r ist viel härter als das Leben als Paar mit Kind.

Fakt Nr. 2

Ja es ist hart und anstrengend, das hat Kindererziehung so an sich. Frag mal ein Ehepaar, ob ihr Leben mit Kind anstrengend ist. Wenn die Leute ehrlich antworten, werden 99% die Frage mit Ja beantworten. Wieso auch nicht, das Leben mit Babys und Kleinkindern ist nun einmal anstrengend, da müssen wir uns nichts vor machen. Anstrengend heißt nicht, dass es nicht schön oder wundervoll ist. Etwas kann auch anstrengend und trotzdem erfüllend sein. Wenn du zum Sport gehst ist das auch anstrengend, aber es macht trotzdem Spaß und du fühlst dich danach gut.

Sein wir doch mal ehrlich:

Was ich festgestellt habe ist, dass viele Eltern einfach nicht mehr ehrlich sind, weder gegenüber anderen noch sich selbst. In der heutigen Zeit muss jeder anscheinend eine Supermutti oder ein Superpapi sein, um etwas wert zu sein und um respektiert zu werden. In was für einer Zeit leben wir eigentlich? So engstirnig muss man die Dinge nun wirklich nicht mehr sehen. Leider wird heutzutage nur meistens das perfekte Leben nach außen hin dargestellt und gezeigt, wie es hinter den Kulissen aussieht weiß keiner. Wäre ja auch peinlich zu zeigen, dass man nicht alles im Griff hat. Ich kenne ziemlich viele Mütter, und gerade die jüngeren Mütter scheinen einen solchen Druck zu verspüren alles richtig machen zu wollen, dass sie das Wichtigste aus den Augen verlieren – ihre Intuition.

Geheimnis Nr. 1 eines glücklichen Dasein als Alleinerziehende/-r: DIE INTUITION

(Gilt natürlich auch für Paare 😉 )

Ich hab mich von Anfang an auf mein Bauchgefühl und meine Intuition verlassen, was den Umgang mit meiner Tochter und ihre Erziehung betrifft. Ok, ab und zu hole ich mir auch mal einen klugen Erziehungsratschlag bei meiner Mutter, aber wozu sitzt man an der Quelle?

In die Köpfe von den Kleinen kann keiner reingucken und meistens läuft eh nie etwas so, wie du es dir vorgestellt hast, da die Kleinen dann gerade einen anderen Plan haben. Natürlich mache ich als alleinerziehende Mutter alles doppelt, sprich das, was andere Paare zu zweit machen, aber auch das ist möglich. Ja, es ist auch manchmal hart und dann wünsche ich mir, ich hätte jemanden an meiner Seite, der mich unterstützt.

Sicher ist es einfacher, wenn auch mal jemand anderes nachts aufsteht, wenn jemand einfach mal das Kind für 2 Stunden beschäftigt und du Luft holen kannst. Wenn immer jemand Zuhause ist, der dich unterstützt.

Aber auch wenn ich keinen Mann an der Seite habe, bin ich nicht alleine. Ich habe das Glück eine wunderbare Familie zu haben und meine Freunde, die mich immer unterstützen. Wäre ich jetzt vollkommen auf mich alleine gestellt, wäre vieles anders. Aber so habe ich immer Rückendeckung und kann mich darauf verlassen, dass ich nie alleine bin und immer Hilfe oder Unterstützung einfordern kann.

Natürlich ist vieles auch organisatorisch einfacher, wenn du einen Partner hast. Finanziell ist es wohl auch einfacher, wenn du nicht alles alleine wuppen musst. Aber es geht auch so, und ich fühle mich nicht eingeschränkt. Höchstens was teure Urlaube angeht, da müsste ich erstmal lange für sparen ;). Aber ich und meine Tochter sind ein eingespieltes Team. Und ich liebe dieses Team. Ich hab nicht das Gefühl, dass mein Leben “ härter “ ist, als das anderer Eltern. Da kann ich nicht für alle Alleinerziehende sprechen, aber für mich.

Klar gibt es Momente, in denen ich am liebsten irgendwas gegen die Wand schmeißen möchte. In denen ich gerne laut schreien oder einfach nur los heulen könnte. Das ist normal. Das hat jeder mal und es liegt nicht daran, alleinerziehend zu sein, sondern es gehört zum Muttersein, zum Eltern sein dazu. Kinder rauben dir nun mal oft den letzten oder vorletzten Nerv und strapazieren deine Geduld ganz schön. Und wenn nur ein Elternteil zum Nervenstrapazieren da ist, bekommst du natürlich auch die doppelte Ladung ab. Aber das tun sie bei anderen Eltern auch!

Geheimnis Nr. 2 zum glücklichen Dasein als Alleinerziehende/-r: Entspann dich mal-chill ne Runde!

Je entspannter du bist, umso entspannter ist dein Kind – Ja Leute, da ist was dran. Ich habe mich nicht wegen jedem Pups wahnsinnig gemacht oder bin ausgerastet, weil etwas nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt habe. Hätte ich das gemacht, wäre ich wahrscheinlich frühzeitig an einem Herzinfarkt gestorben.

Eine meiner besten Freundinnen ist vor kurzem Mutter geworden. Sie „ Mein Mann ist mir so eine große Unterstützung. Lisa ich weiß nicht, wie du das alles alleine gemacht hast“. Selbstläufer! Kling blöd, war aber tatsächlich so. Ich habe nicht die ganze Zeit darüber nachgedacht, ob ich alles richtig mache oder was die Leute von mir denken. Einfach machen- lass dir nicht ständig sagen, dass du es anders machen musst oder womöglich noch einreden, du wärst eine schlechte Mutter/ ein schlechter Vater.

Es gibt immer Leute die denken, sie wüssten alles besser und müssten jeden, der es anders macht, kritisieren. Oder sie machen dir  womöglich weis, dass du eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater bist. Manche machen dir schon einen Vorwurf dafür, dass du alleinerziehend bist, wie kannst du deinem Kind nur sowas antun? Entschuldigung – manches lässt sich nun mal nicht ändern.  Schönen Gruß an diese Leute –  haltet doch einfach mal eure Fresse!

Entschuldigung für diese Ausdrucksweise, aber das musste jetzt mal raus! Das wurde wirklich zu mir gesagt und mir ist der Kragen geplatzt.

Vorurteil Nr. 3

Du bist alleinerziehend = Also bist du unglücklich!

Fakt Nr. 3

Okay das kann ich einfach so gar nicht nachvollziehen. Ich bin absolut glücklich. Mit meinem Leben und mit meinem Kind. Jeder der mich kennt wird bestätigen, dass ich nicht wie ein unglücklicher Trauerkloß durch die Gegend laufe und mich frage, was ich im Leben eigentlich falsch gemacht habe. Warum auch?

Auch als alleinerziehende Mutter (oder Vater) kannst du glücklich sein. Meine Tochter ist das größte Geschenk, das kann ich nur immer wieder sagen. Diese Liebe, die du von einer so kleinen Person bekommst, ist das Schönste auf der Welt. Der Spruch, dass ein Lächeln alles andere entschuldigt, trifft jetzt nicht unbedingt immer zu, aber die pure Existenz deines Kindes macht alles wett. Und wenn du mich fragst, ob ich mich damals anders entschieden hätte, wenn ich das alles gewusst hätte was auf mich zu kommt, würde ich dir sagen, dass ich alles wieder genauso machen würde.

Geheimnis Nr.3 zum glücklichen Dasein als Alleinerziehende/-r: Nicht das Wichtigste aus den Augen verlieren – dich und dein Kind!

Das klingt jetzt nach einem ganz schlauen super Ratschlag. Ja, ist es auch. Natürlich gibt es harte Zeiten, scheiß Tage, scheiß Monate, vielleicht sogar scheiß Jahre. Das kann keiner ändern. Was du jedoch ändern kannst ist deine Einstellung.

Ich bin sowieso ein sehr positiver Mensch. Daher fällt es mir wohl auch leichter, aus Situationen einen positiven Sinn zu ziehen, in denen andere vielleicht überhaupt nichts Positives sehen. Was als Alleinerziehende/r auch manchmal gar nicht so einfach ist.

Aber letztlich ist doch das, was zählt, dass du und dein Kind glücklich sind. Und das schaffst du nur, wenn du mit dir selbst und deinem Leben zufrieden bist. Was dir andere Leute sagen oder dir vorschreiben wollen, wie du dein Leben als Alleinerziehende/-r zu leben hast oder wie du dein Kind zu erziehen hast. Scheiß doch drauf. Es ist DEIN Leben. Das sag ich mir auch immer wieder, MEIN Leben ( Hier findest du mehr zu meinem Leben: https://alleinerziehend-kann-ich.de/ueber-mich/ ). Nicht das Leben dieser Leute.

Manchmal denke ich, ich sollte Songtexte schreiben. Über all solche Sachen. Ab und zu höre ich ganz gerne deutschen Rap. Und wenn ich mir die Texte so anhöre, das krieg ich hin. Ich glaube, das könnte gut werden, ist vielleicht Plan C. Die Texte dafür wären eins A, müsste ich nur noch lernen zu Rappen 😀 Nur mal so by the way. Ok Spaß beiseite.

Was zählt sind deine Familie und deine Freunde. Sie kenne dich und sie kennen dein Leben. Wissen, in was für einer Situation du dich befindest. Wenn du kluge Ratschläge oder konstruktive Kritik bekommst, dann von ihnen. Ok und vielleicht auch von den Erzieherinnen/ Erziehern aus der Kita deines Kindes. Das würde ich auch nicht alles ignorieren 😀

Was ich definitiv nochmal mehr durch das Leben als Alleinerziehende gemerkt habe ist, dass ich definitiv nichts mache oder machen werde, nur um anderen zu gefallen. Es geht mir ehrlich gesagt am Arsch vorbei, ob anderen Leuten mein Leben gefällt, oder ob sie finden, dass ich meine Rolle als Mutter verfehlt habe. Das hat Gott sei dank noch keiner zu mir gesagt und sollte das doch mal jemand tun – in dessen oder deren Haut wollt ihr nicht stecken! Und meistens sind genau solche Leute nur unzufrieden mit ihrem eigenen Leben und lassen es dann an einer anderen Stelle raus.

Kleiner Denkanstoß für dich. Weitere Vorurteile und Fakten folgen in Kürze.
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