„Wir sind schwanger“ – Gab es bei mir nicht! Teil I

Diesem Beitrag möchte ich vorweg schicken, dass es nicht darum geht, schlecht über jemanden zu reden. Ich möchte nur erzählen, wie ich die Schwangerschaft und Geburt erlebt habe. Und wie es mir damals ging, als ich schwanger war. Die Situation war für alle sehr schwierig. Daraus resultierten Dinge, die gesagt wurden und Dinge die gemacht wurden, die im Nachhinein echt scheiße waren. Dennoch ist die damalige Freundin des Vaters für ihre eigene Tochter mit Sicherheit eine gute Mutter und auch der Vater meiner Tochter ist ein toller Mensch.  Also wäre es schön, wenn ihr das beim Lesen im Hinterkopf behalten würdet. Auch wenn dieser Beitrag sehr emotionsgeladen ist.

Der Test – wie er im besten Fall ausfällt:

Der Moment, in dem eine Frau glaubt, dass sie schwanger ist. Sie geht los und kauft einen oder mehrere Tests. Ist Zuhause total hibbelig, mit einem wohligen Gefühl der Vorfreude darauf, dass der Test wohl (endlich) positiv ist. Vielleicht bangt sie auch, weil es schon so oft nicht geklappt hat. Sobald sie auf den Teststreifen gepinkelt hat sitzt sie da, starrt auf den Test und gleichzeitig auf die Uhr und hofft, dass ein Kreuz oder das Wort „Schwanger“ erscheint.

Sie jubelt oder weint sie vor Freude und Glück, als der Test dann positiv ist. Das ist der schönste Moment in ihrem Leben und schon fängt sie an, sich zu überlegen, wie sie ihrem Freund oder Mann von dem gemeinsamen Glück berichten kann. Vielleicht mit einem ersten Ultraschallbild, kleinen süßen Babyschuhen in einem Geschenk, oder mit einer anderen süßen Idee. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass sie sich gar nicht entscheiden kann. Sie freut sich so sehr auf die Schwangerschaft und das Leben zu Dritt, kann es kaum mehr abwarten. So stell ich mir das immer vor.

Der Test – wie meine Reaktion ausfällt!

Und dann gibt es die andere Frau, mich. Ich kaufe einen Test in der Hoffnung, dass er negativ sein wird. Ich habe keinen Freund oder Mann Zuhause, der Luftsprünge machen wird, wenn der Test positiv ausfällt. Ich kaufe den Test eigentlich nur, um mein Gewissen zu beruhigen und denke mir „ Wird schon Lisa, du bist nicht schwanger, du nimmst doch die Pille“. Schon beim Auspacken des Tests zittern meine Hände. Ich bin ein sehr mutiger Mensch, aber vor diesem Ergebnis habe ich Angst. Denn sollte es positiv ausfallen, wird das mein ganzes Leben verändern.

Zu dem Zeitpunkt weiß  ich nicht, dass es das Beste sein wird, was das Schicksal und Leben für mich bereitgehalten hat.

Ich pinkel auf den Teststreifen und danach folgen die schlimmsten 30 Sekunden des Zitterns und Bangens. Immer wieder schaue ich auf den Test und hoffe, dass er „negativ“ anzeigt. Tut er aber nicht. Da steht auf einmal „schwanger“. Schwanger? Ich starre auf den Test und kann das gar nicht realisieren. Wie kann das bitte sein? Das muss ein falsches Ergebnis sein.

Sicher ist sicher, lieber noch einen Test machen!

Ich geh los und kaufe noch 4 weitere Tests, die mir alle das gleiche sagen „ Du bist schwanger“. Halleluja, ich glaub ich falle gleich in Ohnmacht. Das Ergebnis lässt mich nicht vor Freude in die Luft springen und auch nicht Jubeln. Ich hab Angst. Das passiert mir gerade nicht, denke ich. Verdammt, ich bin wirklich verzweifelt. Denn auch wenn ich mir wünsche, das Ergebnis wäre anders, weiß ich schon seit dem ersten Test, dass ich Mutter werde.

Für mich gibt es da gar nichts nachzudenken. Eine andere Option gibt es für mich nicht. Das in meinem Bauch, der Zellklumpen der sich da in der Gebärmutter eingenistet hat, ist mein Fleisch und Blut. Das wird mein Kind sein. Ich werde Mutter.

Ich bin 25, Single und jetzt schwanger. Das Schicksal ist manchmal ein Arschloch. Es gibt ja auch noch die Möglichkeit, dass ein Test fehlerhaft positiv  ist. Allerdings weiß ich innerlich, der Test ist richtig. Das spüre ich einfach.

Positiver Test – Was kommt jetzt? Der Gang zur Frauenärztin

Ich brauche einen Termin bei meiner Frauenärztin. Blöd nur, dass ich mir in Hamburg noch gar keine gesucht habe. Meine Ärztin war bis jetzt in einer anderen Stadt, allerdings ist sie jetzt  im Urlaub, und zu ihrer Vertretung will ich nicht. Also mache ich in Hamburg bei einer neuen Frauenärztin einen Termin. Du fühlst dich auch so richtig wohl, gehst das erste Mal zu einer neuen Ärztin und dann auch noch, weil du ungeplant schwanger bist.

Da sitze ich im Wartezimmer, neben mir 2 Hochschwangere zusammen mit ihren Männern. Ich soll einen Fragebogen ausfüllen, unter anderem mit der Frage, was mich in die Praxis führt. Super, während sich die beiden Pärchen ausgiebig über Themen werdender Eltern unterhalten. So unwohl wie jetzt gerade habe ich mich selten gefühlt. Ich will hier einfach nur weg und als ich aufgerufen werde, springe ich fast von meinem Stuhl hoch.

Bestätigt die Ärztin den positiven Test?

Die Ärztin fragt, was sie für mich tun kann. „ Ich glaub, ich bin schwanger, der Test war positiv“. „Sehr gut, dann wollen wir doch mal gucken. Einmal unten herum frei machen und auf den Stuhl setzen, ich bin gleich da“. Es ist ja so schon immer scheiße beim Frauenarzt, aber jetzt ist es einfach so richtig scheiße. „Herzlichen Glückwunsch, sehen sie mal da.“ Ok, es ist offiziell, innerlich habe ich gerade einen Herzinfarkt und muss mich sehr bemühen nicht heulend vom Stuhl zu fallen. „ Da wird sich ihr Mann aber freuen oder? Ich druck ihnen mal das Bild für ihn aus“

Hm, hätte wohl als aller erstes sagen sollen, dass ich alleine bin. Jetzt gerade kann ich gar nichts sagen außer „Danke“. Mir ist es furchtbar unangenehm. Aber wieso eigentlich? Nur weil sie automatisch davon ausgeht, dass ich einen Partner habe? Warum sage ich denn jetzt nichts, wofür schäme ich mich denn?

Ich soll in einer Woche nochmal wieder kommen, zur Kontrolle weil ich so früh schwanger bin, 4.Woche. Also verlasse ich die Praxis mit Ultraschallbild und Terminzettel zur nächsten Untersuchung. Mein Kopf ist leer und gleichzeitig zum Bersten voll. Erstmal den nächsten Termin abwarten denke ich mir.

Single und Schwanger – Was wohl meine Familie dazu sagt?

Trotzdem will ich meinen Eltern sagen was los ist. Würden sie sowieso merken. Meine Schwester kommt mit, sie ist ja schon eingeweiht. Meine Mama weint. Nicht weil sie traurig ist, sondern weil sie Oma wird. Sie freut sich. Mein Papa freut sich auch. Man bin ich froh so tolle Eltern zu haben. Da wirst du nicht verurteilt oder bekommst einen Einlauf, was du für Scheiße gebaut hast.

Sie sind für mich da, freuen sich und zeigen mir, dass ich Hundertzwanzig- Prozent auf sie zählen kann, egal was passiert. Wenn du solche Eltern hast, kannst du dich echt glücklich schätzen. Und meine Geschwister sind genauso. Stehen hinter mir, das ist alles was ich brauche. So kann ich damit umgehen, jetzt kann ich mich auch ein bisschen freuen, schwanger zu sein.

Zurück zur Frauenärztin und meinen Terminen:

Der nächste Termin verläuft auch nicht besser, ich bekomme wieder ein Bild und soll nochmals in einer Woche wieder kommen. Echt jetzt? Ist wohl schwierig, ganz am Anfang, da kann noch viel passieren. Ja, denke ich mir, ich war doch auch im Urlaub, ich war feiern und hab auch einen Cocktail getrunken, weil ich doch nicht wusste, dass ich schwanger sein könnte.

Oh Gott, nicht, dass da irgendwas passiert ist! Meine Frauenärztin beruhigt mich. Sie sagt, in den ersten 4 Wochen entwickelt sich der Embryo entweder ganz normal oder gar nicht. Als ich im Urlaub war, war ich in der 1-2. Woche schwanger, sie sagt da kann also nichts passiert sein.

Jetzt ist es offiziell -Ich bekomme meinen Mutterpass

Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen. Obwohl ich nichts von der Schwangerschaft wusste, habe ich jetzt Angst etwas gemacht zu haben, was dem Kind schaden könnte. Ok da geht es los, schon die ersten Muttergefühle. Wow.

Bei meinem 3.Besuch bei der Frauenärztin bekomme ich jetzt meinen eigenen Mutterpass. Ich sehe den Herzschlag auf dem Ultraschall. Dieses Gefühl kannst du nicht beschreiben, das musst du erleben. Mutterrolle accepted!

Sobald du weißt, dass du schwanger bist, verhältst du dich irgendwie anders. Du beschützt jetzt schon das Kind, denkst immer daran, dass du jetzt zu zweit unterwegs bist. Mir geht’s die ersten Monate nicht so gut. Ich bin ständig am Kotzen und fühle mich im wahrsten Sinne des Wortes wie ausgekotzt. Ist nicht schön. Andere haben jetzt ihren Freund oder Mann Zuhause, der sich um sie kümmert. Ich nicht, ich sitze hier alleine mit meinem Eimer und kotze mir die Seele aus dem Leib – Toll! Wenn das die ganzen 9 Monate so weiter geht, freue ich mich da nicht drauf. Auf diese Übelkeit könnte ich auch gut verzichten.

Jetzt darf ich meinem Arbeitgeber beichten, dass ich schwanger bin!

Ich bin Krankenschwester, muss also sofort beim Arbeitgeber angeben, dass ich schwanger bin. Wieso? Ich darf ja kaum noch etwas machen. Normalerweise arbeite ich in der Unfallchirurgie. Aber jetzt darf ich nichts machen, was mit Blut, Nadeln, infektiösen Patienten zu tun hat. Ich darf nicht schwer heben, keinen Nachtdienst machen. Keinen richtigen Spätdienst.

Verdammt. Ich will auf Station noch gar nicht sagen, dass ich schwanger bin. Es ist viel zu früh, da kann doch immer noch was passieren. Außerdem wissen doch alle, dass ich Single bin. Aber ich muss, also hab ich ein Gespräch mit meiner Pflegedirektion und meiner damaligen Leitung. Wir sprechen ab meine Dienste anzupassen, ich würde meinen Kollegen selber erzählen was los ist. Aber erst in ein paar Wochen.

Was wohl die Kollegen sagen?

Die Info über meine Schwangerschaft sickert irgendwie durch. Schön, wenn du nicht bestimmen kannst, wann deine Kollegen von deiner ungeplanten Schwangerschaft erfahren. Das passiert  also gleich am nächsten Tag. Eine Kollegin guckt mich an und sagt „Ich wusste, dass du schwanger bist, hab ich dir angesehen!“. Hinzu kommt, dass ich genau weiß, dass alle fragen werden, wer der Vater ist. Wäre nicht schlimm, wenn nicht viele von ihnen den Vater kennen würden. Jackpot.

Meine Kollegen sind allerdings wie immer super lieb, fragen mich natürlich am Anfang wer es ist, lassen die Fragerei jedoch schnell wieder.  Ich sage nur, dass sie ihn nicht kennen. Ok, ich weiß, stimmt nicht ganz, aber ich kann jetzt noch nicht sagen, wer es ist.

Arbeiten oder Beschäftigungsverbot?

Ich hab dann ganz schnell einen Termin beim Betriebsarzt, der versetzt mich ins Beschäftigungsverbot. Nein wirklich? Ich, die nur am Arbeiten ist, ist jetzt auf einmal Zuhause? Nicht mehr arbeiten, die gesamte Schwangerschaft über, bin doch erst im 2.Monat. Damit bin ich nicht wirklich einverstanden, aber ich habe keine Wahl. Jetzt gerade ist es eigentlich auch ganz ok, bin ja eh nur am Kotzen. Bringt auch keinem was, wenn ich mit Eimer über Station laufe. Also chillen, Netflix und Assi-Tv, das wird mein Leben die nächsten Monate.

Nach 4 Monaten geht’s wieder. Hat sich wohl alles etwas eingependelt. Mir geht’s jetzt richtig gut, zum Glück passen meine Hosen auch noch und ich muss nicht mehr kotzen. Ganz anderes Lebensgefühl. Jetzt fühlt es sich schön an, schwanger zu sein.

…Teil II folgt.

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